Handwerk 2.0

April 5, 2018

Handwerk 2.0

Diejenigen von euch die ein wenig Zeit auf unserem Discord Server verbracht haben wissen, dass ich der Community eine grobe Übersicht über unsere Herangehensweise an das Handwerk schulde. Hier sind wir nun! Wir sind ziemlich tief ins Handwerk eingetaucht und haben uns auf kritische Weise damit auseinandergesetzt, wie wir es schaffen können, dass das Handwerk als ein besonderes und unwiderstehliches Erlebnis gesehen wird. Diese Art und Weise die Sache anzugehen war ziemlich zeitintensiv und benötigte einiges an Hintergrundinfos. Aber diese Arbeit ist nun geschafft und ich bin wirklich stolz darauf was wir als Team erreicht haben. Also lasst uns darüber sprechen!

Wenn wir uns unsere Fortschritte im Handwerk anschauen werden wir hauptsächlich vom Schmied sprechen. Das zeigt in etwa wo wir gestartet sind, aber es ist auch irgendwie ein typisches Handwerk in Fantasyspielen. Es ergibt also Sinn, das als unser Beispiel zu nutzen und wir werden auch eventuell einige Beispiele aus anderen Handwerken einbringen, aber meistens werdet ihr vom heißen Eisen hören.

Was wir erreichen wollen

In unserem ersten Ansatz zum Handwerk war unsere leitende Idee, dass der Fokus sowohl auf den spielerischen Fähigkeiten, als auch auf denen des Charakters liegen sollte. Das brachte uns zu den "Mini-Games". Es war ein gutes Design, das voll und ganz das erfüllte was wir wollten, aber eins hatten wir vergessen: Mini-Games fühlen sich nicht echt an, sie sind immer etwas aus der Welt herausgerissen.

Wir überlegten lange hin und her. Wir wussten, dass wir irgendwie den Ansatz eines Mini-Games brauchten, der aber die spielerischen und charakterlichen Fähigkeiten einbezog und zeigte was es hieß das entsprechende Handwerk auszuüben. Also formten wir unser neues Mantra:

Wir wollen Spielmomente, die das Wesen eines jeden Handwerks einfangen, keine Mini-Games.

Um ehrlich zu sein, Mini-Games wurde irgendwie ein Tabuwort für uns. Wir gaben nicht alles auf und fingen von vorne an, aber wir sahen uns alles ganz genau an, was uns zu dem ursprünglichen Mini-Game gebracht hatte und schätzten ein inwiefern man das mit unserem neuen Fokus vereinbaren konnte. Das Ergebnis ist auch für uns etwas ganz Neues: Echtzeit Handwerk!

 

 

Das Handwerkssystem

Wie schon zuvor, werdet ihr in der Lage sein einen Lehrvertrag mit einem Meister eures bevorzugten Handwerks abzuschließen. Von ihnen zu lernen macht es viel einfacher den Einstieg zu finden, auch wenn ihr noch nicht alle Ressourcen und Werkzeuge beisammen habt. Sobald euer Ruf sich herumspricht und eure Fertigkeiten besser und besser werden, finden sich vielleicht NPCs, die gewillt sind euch das nötige Kleingeld zu leihen, um eine Werkstatt in ihrer Nähe aufzubauen. Ebenso könnt ihr eine Schule besuchen und direkt von Meistern lernen, die bereit sind ihr Wissen zu teilen. Daran hat sich nichts geändert.

Wir haben auch die Idee von Skill Herausforderungen behalten – speziell das Konzept, bei dem Spieler ein gewisses Maß an Fertigkeiten benötigen um Erfolg zu haben. Aber wir haben einige Änderungen vorgenommen, als wir uns angeschaut haben was eine solche Herausforderung sein soll. Dazu komme ich gleich. Alles in allem ist es immer noch so, dass man sowohl Charakter, als auch spielerisches Können braucht, um die Arbeit zu vollenden.

Ihr habt vielleicht den Eindruck, dass, anders als ich es erzählt habe, sich in Bezug auf das Handwerk so ziemlich alles geändert hat und da ist auch etwas Wahres dran. Dennoch haben wir die meisten Regeln und Vorstellungen beibehalten. Das Handwerk, vom Anfang bis zum Ende, folgt immer noch den gleichen Grundsätzen die das Handwerkssystem ausmachen:

–    nutze deine Fertigkeiten, um Rohmaterialien zu erschließen und Techniken zu erlernen
–    nutze deine Fertigkeiten, um die Rohmaterialien an Werkbänken in verschiedene Bauteile zu verarbeiten
–    nutze deine Fertigkeiten, Werkbänke und verschiedene Techniken, um aus deinen Bauteilen andere Dinge zu fertigen
–    nutze deine Fertigkeiten, Werkbänke und verschiedene Techniken, um aus den Bauteilen fertige Produkte herzustellen

Was hat sich verändert?

Was sich verändert hat, ist das was der Spieler in jedem Schritt dieses Prozesses tut. Soweit es möglich ist stellt jeder einzelne Schritt das dar, was auch im echten Leben getan werden muss. Natürlich werdet ihr kein 100% iges Abbild sehen, wir sind schließlich nicht beim "Bergbau Simulator 2018". Ich habe eine Regel was das simulieren echter Vorgänge angeht:

"Wahrheitsnähe > Wahrhaftigkeit"

Das soll heißen, dass es besser ist wenn es sich echt anfühlt als echt zu sein. Wo immer es ging haben wir die Abläufe rationalisiert, aber wir waren sehr bemüht das "Gefühl" der jeweiligen Handlung zu bewahren. Schmieden zum Beispiel erfordert eine Menge erhitzen, hämmern und schleifen. Bergbau bedarf viel zerschlagen und zerkleinern von Steinen. Wir sind aber nicht so tief in die Materie eingedrungen, dass man wirklich Erfahrungen als Schmied braucht, um im Spiel ein Schwert oder Messer herzustellen. Man benötigt auch keinen Abschluss in Geologie, um Eisen aus einem Berg herauszuarbeiten. Es ist natürlich kein Nachteil, wenn man sich mit manchen Dingen gut auskennt. Manchmal kann es dir einen gewissen Vorsprung geben, wenn du schneller entscheiden kannst was zu tun ist oder welche Werkzeuge du als erstes benutzen solltest.

Also, wie funktioniert das Ganze?

 

 

Das Handwerkserlebnis

In gewisser Hinsicht ist das neue Handwerkssystem unserem Alten sehr ähnlich. In beiden begannen wir mit der Gewinnung von Rohmaterial, sei es in Form von Erzabbau oder etwas weniger anstrengendem wie Kräutersammeln. Wie auch immer, selbst in diesen ersten Schritten gibt es kleine Unterschiede. Es gibt keine Art von Mini-Game für den Bergbau. Stattdessen werdet ihr mit eurer zuverlässigen Spitzhacke die Steinmauer bearbeiten, die die Erzader beinhaltet und so lange arbeiten, bis ihr die Steine zerbrochen und das Erz herausgearbeitet habt. Beim Kräutersammeln müsst ihr die Pflanze an den richtigen Stellen packen und sie zerschneiden oder von Erde befreien, um an den Lohn für eure Bemühungen zu kommen.

In jedem Fall wird eine Fertigkeit des Spielers benötigt und ich meine das nicht im typischen Level-Sinn, sondern, dass es tatsächlich an euch liegt zu lernen an welchen Stellen ihr am besten zuschlagen müsst, um am meisten Erz abzubauen oder wie ihr an die essbaren Blätter einer sonst tödlichen Pflanze kommt, ohne vergiftet zu werden. Irgendwie könnt ihr diese Infos bestimmt aufschnappen, aber, wenn ihr euren Charakter spielt sind es eure Fertigkeiten, die das steuern. Wir halten im Wesentlichen eure Intuition und euer Wissen für die Grundlage eurer Fähigkeiten.

Wenn ihr erstmal euer Rohmaterial herbeigeschafft habt könnt ihr es nicht einfach in irgendeinem Menü ablegen und auf "herstellen" klicken um etwas zu bauen. Diese Ressourcen müssen bearbeitet werden um einen weiteren Nutzen zu haben. Rohmaterial wird zu Bauteilen verarbeitet. Eisenerz zum Beispiel kann in einen Barren Eisen oder Stahl verwandelt werden und diese essbaren Blätter, die ihr gesammelt habt, können getrocknet oder gepresst werden um als alchemistische Komponenten oder Kochzutaten zu dienen. Um das alles zu tun, benötigt man Wissen in Form von Arbeitstechniken.

Techniken

Wenn ihr mehr als nur die allereinfachsten Arbeiten in eurem Handwerk herstellen wollt, müsst ihr eine oder sogar mehrere Techniken dafür verwenden. Diese Techniken sind erlernte Prozesse oder  "ein gewisses Maß an Know-How gepaart mit handwerklichen Kniffen“.

Beim Schmieden zum Beispiel wird das heiße Stück Metall abgeschreckt, also schnell heruntergekühlt, um die innere Struktur des Metalls zu stärken und die Klinge zu härten. Das macht das Schwert stabiler, aber das Material auch etwas spröder. Je nachdem was du als Schmied gerade herstellst, spielt diese Veränderung im Material aber eventuell eine große Rolle. Angenommen das tut sie, was würdet ihr tun um das so gering wie möglich zu halten? Um eure Klinge zum Beispiel sowohl hart, aber auch flexibel genug zu machen, um einen ankommenden Schlag zu blocken, ohne, das sie bricht? Nun, da habt ihr mehrere Möglichkeiten und jede ist ein Beispiel für eine andere Technik.

Ein einfaches Beispiel dafür wäre die Kantenhärtung. Ihr härtet so nur die Schneide der Klinge, wobei der Klingenrücken weich und flexibel bleibt. Für diese Technik nutzt ihr eine Wanne statt des üblicheren aufrechten Behälters, den man normalerweise beim Härten von Schwertern sieht. Man nimmt dann die heiße Klinge und taucht nur die Ränder in die Wanne. Wenn ihr raffinierter sein wollt, also eine andere Technik nutzt, tragt ihr Lehm auf den Klingenrücken auf und sorgt so dafür, dass die Ränder heißer werden als der Rest des Schwertes. Egal wie ihr es anstellt, in beiden Fällen stellt ihr eine Klinge mit harten Kanten und einer flexiblen Mitte her, die seltener zerspringt oder bricht. Jedoch birgt jede Technik ihre eigenen Risiken und gibt dem Schwert unterschiedliche Nuancen.

Auf diese Weise erlangt der Handwerker sein Wissen und kann seinen eigenen Stil entwickeln. So kann man mit verschiedenen Techniken arbeiten oder diese eventuell ersetzen und trotzdem das entsprechende Produkt herstellen. Vielleicht seid ihr Meister der Kantenhärtung und es ist für euch gar nicht von Interesse andere Techniken zu erlernen. Andererseits kennt ihr vielleicht verschiedene Techniken und bevorzugt eine aufgrund der besonderen Eigenschaften die das Schwert durch sie erlangt. Warum ihr das so macht liegt ganz bei euch.

Wie ich bereits im vorherigen Absatz erzählt habe, sind Techniken nicht einfach Prozesse die ihr anwenden könnt, sondern Wissen das erlernt werden muss. Also sind Techniken in gewisser Weise Tore um Fortschritte schneller zu erreichen. Es kann sein, dass ein Produkt eine bestimmte Technik benötigt. Zum Beispiel muss man als Schmied das Feuerschweißen beherrschen, um verzierte Griffe herzustellen. Es kann auch sein, dass ihr die Technik nicht für ein bestimmtes Produkt benötigt, sondern nur um ihm eine besondere Eigenschaft zu verleihen. Ein Schmied kann einer Klinge eine Hohlkehle (https://de.wikipedia.org/wiki/Hohlkehle_(Klingenwaffe) ) beifügen, um die Masse der Klinge zu verringern, ohne die Stabilität oder Flexibilität zu mindern.

Diese Eigenschaften bringen Pluspunkte so wie es die Ausrüstung in traditionellen MMOs getan hat. Das kann die Art und Weise verändern, wie sich eine Waffe im Kampf verhält oder den Effekt umwandeln, den Essen und Trinken sonst haben würden. Techniken sind austauschbar, wenn sie zum gleichen Ergebnis kommen. So kennt ihr möglicherweise verschiedene Techniken um Eisenerz in verschiedene Arten von Eisen zu schmelzen, zum Beispiel um Stahl herzustellen. Welche der Techniken ihr benutzt ist somit direkt damit verbunden, welche Eigenschaften ihr dem Endprodukt verleihen wollt. Ein cleverer Handwerker will so viele Techniken wie nur möglich lernen, um seiner Arbeit einen eigenen Stil und eine gewisse Ausstrahlung zu verleihen. Ein Schmied kennt verschiedene Art wie eine Meisterwaffe hergestellt werden kann, ein Bäcker kennt das Geheimnis von Chocolate Chip Cookies, die "wie von Oma gebacken" schmecken. Ihr Geheimnis ist sowohl die angewandte Technik, als auch die Zusammenstellung der Zutaten und Inhaltsstoffe.

Also wie funktioniert das Ganze? Das ist eine gute Frage, ich bin froh, dass ihr das wissen möchtet, weil hier das neue System ins Spiel kommt. Wenn ihr mich fragt:
Die Techniken funktionieren so wie im echten Leben.

Ok, ok, die Techniken funktionieren fast so wie im echten Leben. Warum machen wir nicht einen Schnelldurchlauf einer Schwertherstellung, vom Erz bis zum Endprodukt?

 

 

Echtzeithandwerk

Als wir anfingen von Techniken zu sprechen ging es um Eisenerz oder? Also lasst uns dort weitermachen wo wir aufgehört haben: Wir müssen dieses Erz zu Eisen verarbeiten, um damit schmieden zu können. Eine Möglichkeit ist das Erz im Schmiedeofen zu erhitzen, bis es weich wird und es dann auf dem Amboss zu bearbeiten, um die Schlacke (nichtmetallische Rückstände) herauszuschlagen. In Wirklichkeit gibt es dafür einen speziellen "Rennofen", aber wir haben das Ganze etwas vereinfacht, ohne dass das "Schmiedegefühl" verloren ging.

Nun haben wir also unser Erz in den Händen und merken, dass der Ofen nicht an ist. Das ist in Ordnung, kein Problem, den Azubi werden wir uns dafür nachher noch zur Brust nehmen. Wir legen das Erz kurz zur Seite, laufen schnell zum Kohlenlager, tragen die Kohle zum Ofen und legen sie hinein. Wenn wir die Kohle im Ofen haben können wir sie mithilfe unseres Zunderkastens und dem Feuerstein, den wir immer in der Nähe haben, anzünden und mit dem Blasebalg genügend Luft hineinpusten um die Kohlen anzuheizen.

 

 

Wenn der Azubi etwas vorausgedacht hätte, wäre der Ofen schon heiß gewesen, aber wie üblich ist er nirgends aufzutreiben. Also müssen wir das selbst machen. Der Ofen ist jetzt aber heiß und wir lassen von dem Blasebalg ab, um unser Erz zu holen und es neben dem Ofen zum restlichen Erz zu legen. Wenn wir schon ausgebildeter wären und die nötigen Werkzeuge hätten, könnten wir die Steine etwas zerkleinern und die leichteren aussortieren, aber das ist eine Technik die wir noch nicht beherrschen. Stattdessen werden wir die Unreinheiten aus dem Erz herausprügeln, bis nicht als Eisen übrig ist. Dafür öffnen wir unser Tagebuch und finden die entsprechende Anweisung, um dann den Ofen anzuklicken, während das Tagebuch noch geöffnet ist, damit CoE auch weiß was wir vorhaben.

Danach muss einfach jede der angegebenen Arbeitsanweisungen befolgt werden. Wir fangen damit an den größten Stein vom Haufen zu nehmen und ihn mit einer Zange, die wir immer neben dem Ofen lagern,  zwischen die glühenden Kohlen zu legen.

Wenn ihr eine Sache in den Ofen legt während die Kohlen glühen, könnt ihr das Objekt in verschiedene Temperaturbereiche legen. Euch wird das nicht direkt angezeigt, aber die Kohlen werden euch anhand ihrer Farbe, dem Flimmern darüber, dem Knistern oder der Flammen verraten welche Stelle die heißeste ist. Es ist also wichtig zu überlegen wo ihr euer Erz hineinlegt. Bei dieser einfachen Schmelztechnik die wir am Anfang nutzen, spielt es keine allzu große Rolle, aber wenn ihr Stahl erhitzt ist es möglich ihn völlig unbrauchbar zu machen, wenn ihr nicht genau aufpasst. Der richtige Temperaturbereich vermindert also dieses Risiko.

Im Moment wollen wir, dass das Erz in diesen weichen Zustand übergeht, damit wir auf dem Amboss die Schlacke heraushämmern können. Wenn das Erz beginnt sich zu verändern, verliert es etwas seine Form, sieht anders aus und das Geräusch des Feuers hört sich anders an. Wenn wir das abrufen, was wir durch die Arbeitsanweisungen über diese Technik gelernt haben, wissen wir, dass das Erz fertig ist.

Mit der Zange nehmen wir den heißen, weichen Stein auf, holen ihn aus dem Ofen und gehen damit zum Amboss. Mit unserer freien Hand nehmen wir auf dem Weg schon mal den Hammer mit und entweder klicken wir mit der Zange oder dem Hammer auf den Amboss und die Kamera schwenkt darüber, um uns in Draufsicht den Amboss und unser Werkzeug zu zeigen. Wenn wir nun die Maus bewegen, positionieren wir den Hammer, mit einem Klick schlagen wir zu und sehen Schlacke Reste und heißen Dampf austreten. Mit jedem Schlag verändert sich das Material, bis ein kleiner Klumpen geschmiedetes Eisen entsteht. Nichtsdestotrotz, jeder dieser Schritte benötigt Zeit und ab dem Moment in dem der Stein den Ofen verlässt kühlt er ab, also haben wir nur begrenzt Zeit ihn zu bearbeiten, bevor wir ihn erneut erhitzen müssen. Wenn wir den Stein bearbeiten während er schon abgekühlt ist, könnte es dazu führen, dass er in kleine Teile zerbricht, die zu klein für diesen Prozess sind.

Das können wir jetzt mit jedem Erz trächtigen Stein in unserer Schmiede machen, bis wir nur noch kleine Eisennuggets haben, die wir dann zu einem Eisenbarren zusammenschweißen können. Oder wir könnten diese Klumpen schmelzen und in eine Form gießen um die Form eines Barrens zu bekommen. Das hängt einfach davon ab, was unser Charakter schon erlernt hat. Wenn wir erstmal unseren Eisenbarren haben, können wir ihn auf verschiedene Arten in Stahl verwandeln. Eine Methode ist, etwas Schweißeisen und Roheisen oder anderen Hartstahl zu nehmen und sie langsam in einem Schmelztiegel zu vermengen. So nimmt das Schweißeisen Karbon auf und wird zu Stahl. Für unser Beispiel nutzen wir diese Technik.

Zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig die richtige Mischung herauszubekommen und das Metall in dem Schmelztiegel zu schmelzen. Wie auch bei allen anderen Prozessen im Handwerk, kann auch hier etwas schief laufen. Wir nennen das "Handwerksschwierigkeiten" und das kann öfter passieren, wenn ihr eine Technik oder Arbeitsweise nutzt, die aufgrund von wenig Erfahrung schwierig für euren Charakter ist. Je schwieriger die Technik – je größer der Unterschied zwischen euren Fähigkeiten und der Schwierigkeit der Technik ist – desto wahrscheinlicher ist das Auftreten dieser kleinen Herausforderungen. Aber keine Sorge, meistens kann man sowas durch andere Fertigkeiten wieder ausgleichen. Zum Beispiel kann, wenn wir unseren Schmelztiegel im Ofen platzieren, eine Aschwolke die Luftzufuhr unterbrechen und somit verhindern, dass die Kohle heiß bleibt. Wenn wir nichts tun wird der Tiegel nicht heiß genug um die beiden Metalle miteinander zu verbinden. Aber, als ein aufmerksamer Spieler, müssen wir nur die Kohlen zusammenschieben, damit die Luft ungehindert durch die Kohle ziehen kann.

Wenn wir unseren Tiegel mit geschmolzenem Stahl haben wollen wir einen Rohling herstellen, also gießen wir ihn in eine Form und lassen ihn soweit abkühlen, bis er hart ist. Dann können wir den festen Stahl aus der Form holen, ihn mit einer Zange greifen und weiterarbeiten.

Wie die meisten handwerklichen Produkte bestehen auch Schwerter aus mehreren Teilen. Sie bestehen aus der Klinge, dem Knauf, der Parierstange und einem Griff. Wir stellen ein klassisches Neran Langschwert her, das einer zweischneidigen Klinge mit Hohlkehle, einer einfachen Parierstange, einem umwickelten Griff und eines Metallknaufs bedarf. Als wir durch die Schmiede laufen sehen wir, dass wir schon einen Pariergriff, einen Messingknauf und ein bisschen Silberdraht zum umwickeln des Griffs herumliegen haben. Das einzige was wir jetzt noch brauchen ist die Klinge.

Um die herzustellen öffnen wir unser Tagebuch, klicken auf die Anweisung für die zweischneidige Klinge und gehen zum Ofen. Wir müssen warten bis der Stahlbarren heiß und nahezu weiß wird und nehmen dafür die Zange und halten ihn in die vermutlich heißeste Stelle im Ofen. Dabei beobachten wir wie zuvor besprochen die Farbe und die Geräusche die aus dem Ofen kommen. Wenn das Metall die richtige Temperatur erreicht hat, ändert sich die Farbe zu einem gelb/weiß und die Töne des Feuers verändern sich auch. Wenn wir also aufpassen wären das die Hinweise darauf, dass das Metall fertig ist, ohne das wir irgendwelche HUD Elemente des UI angezeigt bekommen. Zu wissen wann es soweit ist, ist ein Teil der spielerischen Fähigkeiten beim Handwerk.

 

 

Jeder Ofen ist anders, also könnt ihr nicht einfach die Zeit im Ofen als Anhaltspunkt nutzen. Die Anweisung im Tagebuch weist aber darauf hin, dass man warten soll, bis das Metall gelb/weiß ist ohne eine bestimmte Zeitspanne zu nennen. Ihr müsst selbst ein Gefühl für das Metall bekommen um zu wissen wann ihr es aus dem Ofen holen und zum Amboss bringen müsst. Das ist auch in fast jedem anderen Handwerksbereich so. In der Alchemie werdet ihr nie Angaben finden wie "erhitze die Zutaten bei 220 Grad für 10 Minuten". Stattdessen steht in den Rezepten "erhitze die Zutaten in einer heißen Flamme bis sie schwarz sind und das Feuer sich aufbäumt und lasse das Feuer keinesfalls kleiner werden, da die Zutaten sonst verloren sind".

Es gibt einen spielerischen Hintergrund für diese Idee ohne viel UI in eurer handwerklichen Arbeit. Jede Station oder Technik die ihr benutzt, hat bestimmte "Anzeichen" wie die Farbe des Metalls wenn es erhitzt wird oder die Geräusche im Feuer. Im echten Leben gibt es, wenn überhaupt, nur ein Zeichen und echte Handwerker lernen aus Erfahrung ihre Anzeichen für das perfekte Timing zu erkennen. In so einem Spiel sind eure Sinne aber begrenzt einsetzbar, sodass es euch vielleicht schwer fällt diese Hinweise zu erkennen. Darum gibt es bei fast jeder Technik zwei Hinweise für das perfekte Timing, einer visuell und der andere auditiv. So kann jeder für sich entscheiden welchem Indikator er am besten nachgehen kann.

Wenn wir so weit sind, nehmen wir nochmal die Zange um den Barren aus dem Ofen zu holen und zum Amboss zu bringen. Wenn wir uns dem Amboss nähern, wird uns wieder eine Draufsicht gezeigt. So können wir mit der gedrückten Maustaste unser Stück Metall auf dem Amboss positionieren. Wenn wir die Taste loslassen, bleibt das Objekt dort. Jetzt brauchen wir einen Hammer. Den ziehen wir aus unserem Inventar in unsere andere Hand und machen ihn so in der Draufsicht für uns sichtbar. Wie schon bei der Zange können wir mit der Mausbewegung auch den Hammer steuern, aber wir müssen dabei keine Taste gedrückt halten. Stattdessen nutzen wir die Taste um dorthin zu schlagen wo der Hammer gerade aufliegt.

Wo wir hinschlagen ist wirklich wichtig. Wir versuchen eine Langklinge zu formen und überall dort wo wir hinschlagen verbreitert sich das Metall. Wie weit sich das Metall verändert hängt vom Hammer, von der Stärke eures Charakters und der Temperatur ab. Wenn ihr zuschlagt analysiert das Spiel den Auftreffpunkt und stellt fest ob der Schlag gut war oder nicht. Wenn der Schlag ordentlich war, verformt sich das Metall ein bisschen in die gewünschte Form. Wenn der Schlag verpfuscht war, geht euer "Schwert" eher in die Richtung wertloses Stück Metall. Also nochmal, wo ihr hinschlagt spielt eine große Rolle. Und natürlich kühlt es schnell ab und es bleibt wenig Zeit bevor es wieder erhitzt werden muss. So ist dieser Vorgang eine Art Kreislauf zwischen Ofen und Amboss vom Erhitzen, zum Bearbeiten und wieder zum Erhitzen, um die richtige Temperatur zu erwischen.

 

 
Das wiederholt sich solange, bis die Klinge entweder die richtige Form hat oder durch irgendetwas ruiniert wurde. Diese Missgeschicke können entweder so etwas harmloses sein, wie ein kurzes Abrutschen der Zange oder es können größere Probleme sein, die dazu führen, dass Fehler eingearbeitet werden, wenn man nicht aufpasst. Zum Beispiel könnte es passieren, dass das Metall zerspringt wenn ihr es zu kalt bearbeitet oder das Karbon trennt sich vom restlichen Metall wenn ihr es zu lange im Ofen lasst. Am Ende könnte eure Klinge also zu weich und nutzlos sein.

Je schwierigere Techniken ihr anwendet, desto höher die Chance, das so etwas passiert. Ein Neran Langschwert ist eine Waffe mit Hohlkehle, das heißt, zusätzlich zum Formen der Klinge muss auch noch diese Rille mit besonderem Werkzeug in die Mitte eingearbeitet werden. Dafür erweitern wir unseren Amboss um eine spezielle Halterung. Damit müssen wir nur mit dem Hammer auf eine Art Meißel hauen, um die Hohlkehle herauszuarbeiten. Bei dieser Art von Arbeit kann alles Mögliche passieren, je nachdem wie gut unser Charakter ausgebildet ist. Wir könnten die Hohlkehle zu tief oder zu flach machen, was zu erheblichen Qualitätsverlusten führen kann, aus Versehen eine Delle einarbeiten, die korrigiert werden muss oder der Meißel könnte kaputtgehen. Wenn wir allerdings erfolgreich waren, halten wir eine schöne Klinge für ein Langschwert in den Händen, die jetzt nur noch gehärtet werden muss.

Um die Klinge zu härten erhitzen wir sie wieder im Ofen. Wenn wir schlau vorgehen wollen erhitzen wir die Klinge und lassen sie wieder abkühlen. Das wiederholen wir mehrere Male, um eine Verformung des Stahls beim Abkühlen zu vermeiden. Wenn wir so weit sind erhitzen wir die Klinge erneut, nehmen sie mit der Zange, holen sie aus dem Ofen und gehen auf das Kühlbecken zu. Wir nehmen das senkrechte Gefäß, ein Fass gefüllt mit Öl, das extra zu diesem Zweck besorgt wurde. Wenn wir das Fass anklicken erscheint, so wie beim Amboss, eine Draufsicht in der die Klinge und unsere Zange zu sehen sind. Wir können die Klinge mit der Maus verschieben und die Taste drücken, um die Klinge in das Öl zu tauchen, solange bis wir wieder loslassen und die Klinge aus dem Öl holen.

Während die Klinge im Öl hängt wird es zischen und rauchen. Wenn wir Glück haben bleibt die Klinge selbst eher leise, wenn wir Pech haben hören wir einen Knall oder Knacken, was zeigt, dass beim Abkühlen etwas falsch gelaufen ist. Wir erfahren erst was schief lief, wenn wir die Klinge aus dem Fass holen und sie genauer betrachten. Häufig hat sie sich gebogen, was aber theoretisch wieder behoben werden kann. Lasst uns davon ausgehen, dass alles gut ging und unsere Klinge kommt in perfektem Zustand aus dem Öl. Jetzt muss sie nur noch gesäubert und an beiden Seiten geschliffen werden. Dafür brauchen wir eine Schleifscheibe.

Wir nehmen die Klinge in eine Hand und nähern uns der Schleifstation, um mit einem Klick die Nahansicht zu öffnen. Nun positionieren wir die Klinge mit der Maus und klicken, um sie mit der Hand gegen die Scheibe zu drücken. Die Scheibe muss gedreht werden, was wir mit einem Pedal machen, das wir mit einem Fuß bedienen können. Wenn wir nicht vorsichtig arbeiten, könnten wir eine Ecke in die Klinge schleifen oder sie zu dünn ausschleifen, sodass sie an guten Eigenschaften verliert. Wir müssen also auch hier aufmerksam sein, um zum Beispiel nicht zu vergessen das Rad mit Wasser oder Öl zu befeuchten, um keine Überhitzung zu riskieren oder uns die Klinge einfach aus der Hand gerissen werden kann.

 

 
Aber mal alle Gefahren beiseite, das Schleifen ist recht einfach. Wir glätten die Klinge am Rad indem wir sie dagegen drücken. Das nimmt Material ab und formt, wenn wir es richtig machen, eine kleine Kante. Wenn wir fertig sind, haben wir einfaches Eisen in eine wunderbare Stahlklinge verwandelt, die bereit ist in ein Neran Langschwert zusammengesetzt zu werden.

Das Zusammensetzen kann fast überall gemacht werden. Um ein Schwert zusammenzubauen nutzt ihr einfach eure handwerklichen Fähigkeiten, wählt im Tagebuch eine Arbeitsanweisung dafür aus und wählt dann nach und nach das jeweilige Bauteil aus eurem Inventar aus. Man beginnt mit der Parierstange, dann dem Griff und zum Schluss mit dem Knauf. Es kann sein, dass Werkzeuge wie Kleber oder Hammer benötigt werden, aber die meisten Waffen werden durch Druck zusammengefügt und das funktioniert mit der Körperkraft eures Charakters. Wenn das geschafft ist haben wir ein Neran Langschwert gebaut, mit allen Fort- und Rückschritten die wir dabei erlebt haben, ins Material gehämmert. Bei näherer Betrachtung erkennen wir all die Eigenschaften dieses Schwertes und können stolz auf uns sein.

Fazit

Wie ihr seht, bestehen die Handwerke aus mehr als nur abzuwarten bis eine Anzeige gefüllt ist. Es ist ein Spiel im Spiel sozusagen, das sich so echt wie möglich anfühlen soll, ohne ein echter Schmied, Bäcker usw. sein zu müssen, um das zu schaffen. Es geht um die Erfahrung die gemacht wird und alles kommt auf unsere Grundidee zurück:

–    Rohmaterial muss gesammelt werden (Erz wird natürlich abgebaut)
–    Gesammelte Materialien werden zu Bauteilen, Zutaten usw. verarbeitet (Eisenerz wird zu Schweißeisen)
–    Bauteile, Zutaten usw. können kombiniert oder zu einer Komponente verarbeitet werden (Schweißeisen wird zu einem Stahlbarren, der wiederum zu einer Klinge verarbeitet werden kann)
–    Mehrere Komponenten werden zu einem Endprodukt zusammengefügt (Klinge, Griff, Parierstange und Knauf werden zu einem Schwert)

Der Einbezug von spielerischen Fähigkeiten und den Fertigkeiten eures Charakters in Form von kleinen Herausforderungen und die Nutzung verschiedener Techniken, Anweisungen und Hinweisen, machen das Ganze zu einer unglaublichen Spielerfahrung, die wir in anderen MMO's so noch nicht gesehen haben.

Diese Detailverliebtheit ist nötig um die sich entwickelnde Welt von Elyria zu erstellen. Jedes Objekt, von Essen bis zu Maschinen, kann hergestellt werden, aber die Prozesse vom Rohmaterial bis zum Endprodukt sind zeit- und arbeitsintensiv. Alleine ist das kaum zu schaffen, deswegen ist es einfacher sich das untereinander aufzuteilen. Der Bergarbeiter baut das Material ab, der Schmied formt aus dem Stahl eine Klinge und der Juwelier stellt aus Silberdraht einen verschnörkelten Griff her. Zusammen können sie täglich Wunderwerke vollbringen.

In Elyria ist das handwerkeln nichts, was man nebenbei machen kann. Wahre Meister brauchen ihre Zeit um ausgebildet zu werden und jedes Handwerk ist eine Berufung, die ihren Teil zum Leben in Elyria beiträgt.

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